Die vier Schritte des Networking

Networking will gelernt sein! Sollten Sie nicht zu den begnadeten Networkern gehören, die nach jedem Event und bei allen möglichen Gelegenheiten mit mehreren Visitenkarten und Kontaktadressen nach Hause kommen, müssen Sie diese Fähigkeit halt üben. Ein Netzwerk aufzubauen, zu pflegen und gezielt für sich einzusetzen, ist lernbar.

1. Schritt: Vorbereitung

Systematisches Networking bedarf einer fundierten Vorbereitung.
Eine gründliche Selbstanalyse bzw. Standortbestimmung erfordert viel Zeit und Konzentration. Es ist eine arbeitsintensive, aber lohnenswerte Aufgabe und dient als grundlegende Voraussetzung für eine zielorientierte Laufbahnplanung und insbesondere für ein gezieltes Networking. Nur wer weiss, was er kann, will und gerne macht, wird auch die Erfüllung in der Arbeitswelt finden.

Werdegangs-Reflexion

Machen Sie sich Gedanken zu folgenden Punkten; dies jeweils pro Stelle:

  • Was betrachte ich als meine hauptsächlichen Leistungen?
  • Weshalb habe ich diese Stelle angetreten?
  • Weshalb bin ich dort ausgetreten?
  • Wie lässt sich mein Verantwortungsbereich bemessen (z.B. Anzahl Geschäftskontakte, Umsatz, Budget, Anzahl Mitarbeitende, besondere Kompetenzen, spezielle Projekte)?
  • Welche besonderen Erfolge kann ich vorweisen? (Wo habe ich das Betriebsergebnis des Unternehmens gesteigert, Kosten gespart, Märkte erschlossen, Problemlösungen gefunden, Kunden akquiriert oder sonstige Leistungen vollbracht?)
  • Welche Entscheidungen bis zu welcher Tragweite konnte ich selbst treffen?

Definition der Networking-Ziele

Durch die Auseinandersetzung mit Ihren beruflichen Zielen - unabhängig von einer aktuellen Karriereentscheidung - verschaffen Sie sich einen wesentlichen Einblick in Ihre eigene Motivation und die Rolle, welche die berufliche Laufbahn in Ihrem Leben spielt. Um eine rationale Basis zur Beurteilung zukünftiger Entscheidungen zu schaffen, sollten Sie sich über Ihre Zukunft ein Bild machen.

Den meisten Menschen fehlt es einfach an klaren Vorstellungen davon, was sie eigentlich wollen und wohin ihre "Reise" geht. Nehmen Sie Ihr Leben in die eigene Hand! Wer sein Leben nicht selber plant, der wird verplant!

Die Ziele, die Sie mit Hilfe Ihres Netzwerks erreichen können, sind vielfältig. Wichtig ist, dass Sie diese kennen. Denn nur wenn Sie wissen was Sie wollen, können Sie gezielt darauf hinarbeiten.

Nehmen Sie sich Zeit und beantworten Sie in Ruhe, aber schriftlich für sich selbst, folgende Fragen:

Tätigkeit/Aufgaben

  • Welche wesentlichen Merkmale muss mein neues Beschäftigungsverhältnis aufweisen?
  • Was würde ich am liebsten den ganzen Tag lang machen?
  • Was habe ich bisher gerne gemacht, was will ich auf jeden Fall weiterhin machen? Und was will ich nicht oder nie mehr machen?
  • Was muss eine Tätigkeit beinhalten, damit ich sie als wichtig und sinnvoll empfinde?
  • In welchem Fall langweile ich mich oder kann ich eine Arbeit nicht ausstehen?
  • In welcher Situation fühle ich mich gestresst?
  • Was bedeutet Erfolg für mich?

Branche/Produkt

  • Welche Branche zieht mich an?
  • Mit welchen Produkten kann ich mich identifizieren?
  • Sehe ich mich eher in einer Investitionsgüter-, Konsumgüter- oder Dienstleistungsbranche?

Unternehmen/Unternehmenskultur

  • Arbeite ich lieber in einem kleinen, mittelständischen, grösseren oder grossen Unternehmen?
  • Arbeite ich lieber in einem regionalen, nationalen, internationalen oder multinationalen Unternehmen?
  • Welche Unternehmenskultur entspricht meiner Denk- und Arbeitshaltung?
  • Welche Umgangsformen bin ich mir gewohnt?
  • Welche Art von Umgang wünsche ich mir: formell bzw. fachlich-distanziert oder kollegial-nahe?
  • Wie möchte ich geführt werden?
  • Wie leistungsorientiert soll und darf die Unternehmung sein?
  • Wie soll ein Vorgesetzter sein, damit ich ihn respektieren und gut mit ihm zusammenarbeiten kann?

Kollegen

  • Mit welchen Menschen möchte ich zusammenarbeiten?
  • Arbeite ich lieber alleine oder im Team?
  • Welche Art von Kollegen hätte ich gerne?
  • Wie sollen die Leute miteinander und mit mir umgehen, damit ich mich wohl fühle und gut arbeiten kann?

Arbeitsort/-platz

  • Sollte mein Arbeitsort zentral gelegen sein?
  • Spielt mein Arbeitsweg eine entscheidende Rolle?
  • Wie muss mein künftiger Arbeitsplatz beschaffen sein?
  • Bestehe ich auf einem "Einzelbüro"?
  • Auf welche Arbeitsmittel (PC, E-Mail, Mobiltelefon) möchte ich nicht verzichten?

Entwicklungsmöglichkeiten

  • Welche Karrierechancen will ich in den nächsten 3, 5 oder 10 Jahren nutzen?
  • Welche neuen Erfahrungen möchte ich machen?
  • Strebe ich einen bestimmten Titel oder Status an?
  • Welche Qualifikationen möchte ich mir aneignen?

Einkommen

  • Welche Gehaltsvorstellungen habe ich?
  • Wie viel "muss" ich verdienen, damit ich meinen jetzigen Lebensstandard halten kann?
  • Bin ich bereit, für einen Prestigewert (Titel, namhafter Arbeitgeber) Gehaltseinbussen hinzunehmen?

Nebenleistungen

  • Welche Nebenleistungen sind für mich wichtig (Fahrgeld, Lebens-/Direktversicherung, Essensgeld, Aktien (Optionen), Betriebsrente, Fortbildung...)?
  • Auf was will ich auf keinen Fall verzichten? Was ist eher unwichtig?

Rahmenbedingungen

  • Bin ich bereit auf Kosten meines Privatlebens Überstunden, Dienstreisen o.ä. auf mich zu nehmen? Ist es entscheidend, wie viele Mitarbeitende an mich rapportieren würden, oder welchen Rang mein Chef hat?
  • Welche Vorstellungen habe ich von der idealen Arbeitszeit? Sind mir geregelte Arbeitszeiten wichtig? Wie viele Stunden bin ich bereit, in der Arbeit zu verbringen?

2. Schritt: Kontakte suchen und aufnehmen

Neue Kontakte können überall und (fast) immer gesucht und aufgenommen werden. Im Büro, auf einer Fachtagung, im Sportverein oder auf einer Party. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Mitmenschen ähnlich wie Sie denken und an Kontakten ebenfalls interessiert sind. Bevor Sie Kontakt aufnehmen, ist eine fundierte Informationsbeschaffung oftmals sinnvoll.

Informationsbeschaffung

Je mehr Sie über Ihren Gesprächspartner und sein Umfeld wissen, desto besser für Sie. Dies lässt auf einiges zu Ihrer Einstellung und zu Ihrem Verhalten schliessen. Sie demonstrieren echtes Interesse, Engagement und Motivation. Sie zeigen, dass Sie es ernst meinen, und dass Sie auch im täglichen Arbeitsprozess vorbereitet und fundiert Probleme angehen. Sie signalisieren, dass Sie das Unternehmen und Ihre Gesprächspartner respektieren.

Eine seriöse und detaillierte Recherche ist deshalb von Vorteil.

Welche Informationen sind wertvoll?

Allgemeine Unternehmensdaten wie:

  • Rechtsform
  • Namen von leitenden Personen
  • Anzahl Mitarbeitende
  • Umsatz
  • Standorte
  • Märkte
  • Produkte und Dienstleistungen
  • Branche
  • Wirtschaftliche Situation
  • Zukunftserwartungen
 

Detaillierte Informationen über das Unternehmen wie:

  • Unternehmensstrategie und -kultur
  • Organisationsform der Unternehmung
  • Mitbewerber
  • Unternehmenserfolge (z.B. Akquisition einer Unternehmung, steigender Börsenkurs, positives Image in der Region)
  • Marketingkampagnen
 

Woher bekommen Sie diese Informationen?

  • Internet
    • Homepage der Unternehmung
    • Suchmaschinen wie www.google.ch
    • Archive der grösseren Medien, Tageszeitungen usw.
  • Image-Broschüren, Produkte- und Dienstleistungs-Dokumentationen usw., die Sie direkt bei der Unternehmung anfordern können
  • Zeitungen und Zeitschriften
    • Stellenanzeiger-Teil (praktisch alle Stellenanzeigen beinhalten auch Informationen zur Unternehmung)
    • Branchen-Medien
  • Bibliothek
  • Mitarbeiter dieser Unternehmung: Die aufschlussreichste Informationsquelle ist in den meisten Fällen das persönliche Gespräch mit einem Mitarbeitenden dieser Unternehmung. Vielleicht kennen Sie bereits jemanden, der dort arbeitet, und diese Person gibt Ihnen Auskunft. Nehmen Sie mit dieser Person Kontakt auf, die meisten Menschen reden gerne über sich, ihre Arbeit und oft auch über ihren Arbeitgeber!
  • Telefonische/schriftliche Anfrage (z.B. in der Presseabteilung des Unternehmens)
  • Bekannte
 

3. Schritt: Kontakte pflegen und ausbauen

Haben Sie einmal Kontakt geknüpft, ist der erste wichtige Schritt gemacht. Nun darf Ihr Engagement aber nicht nachlassen. Frische Kontakte sind wie kleine, zarte Pflänzchen. Sie werden nur durch gute Pflege zu einem kräftigen Baum.

Anlässe zur Wiederaufnahme des Kontakts

  • Regelmässige Anlässe
    • Geburtstag
    • Weihnachten
    • Jahreswechsel
    • Jubiläen
  • Unregelmässige und einmalige Anlässe
    • Jobwechsel mit Verbesserung
    • Beförderung
    • Gewinn eines Preises oder einer Auszeichnung
    • Bestehen einer Prüfung
    • Positive Nennung in den Medien
    • Hochzeit
    • Geburt
    • Jubiläum
    • Genesung
 

Wichtige Formen der Kontaktpflege

  • Melden Sie sich regelmässig (per Telefon, E-Mail, Brief)
  • Treffen Sie sich regelmässig
  • Informieren Sie andere über neue Entwicklungen
  • Denken Sie an Geburtstage und Jubiläen
  • Schreiben Sie einen Brief oder eine Karte zum Jahreswechsel
  • Veranstalten Sie Feste und laden Ihre Kontakte ein
 

Die Pflege Ihrer Kontakte ist dazu da, Vertrauen und Wertschätzung zu erarbeiten. Vertrauen baut sich erst langsam auf. Dazu gehören viele positive Erfahrungen mit dem Netzwerk-Partner und das Ausbleiben von negativen Erlebnissen.

Es sollte für Sie selbstversändlich sein, dass Sie den Menschen aus Ihrem Netzwerk helfen. Networking ist ein Geben und Nehmen. Nur wenn Sie selber bereit sind, sich einzusetzen und andere zu unterstützen, können Sie auch von anderen etwas erwarten. Hilfeleistungen stärken das Vertrauen und die Wertschätzung Ihrer Kontaktpersonen.

Beispiele für Hilfeleistungen

  • Kontakte herstellen:
    Eine Freundin sucht einen Babysitter. Sie stellen den Kontakt zur Tochter Ihrer Nachbarin her.
  • Informationen, Tipps und Ratschläge geben:
    Ein Bekannter weiss nicht, wie er seinen Chef am besten um eine Gehaltserhöhung bittet. Sie geben ihm Tipps aus Ihrer eigenen Erfahrung
  • Konkrete Aufgaben übernehmen:
    Ihre Tante versteht die englische Gebrauchsanweisung für ihren neuen DVD-Player nicht. Sie übersetzen die wichtigsten Stellen und helfen Ihr bei der Bedienung.
  • Aufmerksamkeit schenken:
    Ihr Arbeitskollege braucht ein offenes Ohr um seinem Ärger Luft zu machen. Sie nehmen sich nach Feierabend Zeit für ein Bier un hören ihm zu.

4. Schritt: Kontakte nutzen

Sie haben Zeit und Mühe in den Aufbau und die Pflege Ihres Netzwerks investiert und brauchen nun selber Hilfe. Innerhalb eines gut gepflegten Kontakts sollte es selbstverständlich sein, dass man dem anderen hilft. Bitten Sie aber nie um Dinge, die Sie auch gut selber erledigen können und sich das Gegenüber so ausgenutzt vorkommen könnte.

Fragen auf dem Weg zur Hilfe

  • Was genau ist mein Ziel oder Problem?
  • Welche Hilfe brauche ich?
  • Wer kann mir am besten helfen?

Es gibt viele Arten um einen Gefallen zu bitten. Für Ihre Bitte um Hilfe sollten Sie möglichst eine mündliche Form der Kommunikation wählen. An der direkten Reaktion merken Sie schnell, ob Sie Ihren Gesprächspartner mit der Bitte zum Beispiel überfordern. So können Sie direkt darauf reagieren, die Bitte abschwächen oder gar zurückziehen.

Angemessene Reaktionen auf Hilfeleistungen:

  • Bedanken Sie sich mündlich oder schriftlich
  • Bedanken Sie sich mit einem kleinen Geschenk oder einer Einladung
  • Bieten Sie eine Gegenhilfe an

Quelle: jobagent.ch