Networking-Methoden und -Hilfsmittel

Ohne Kommunikationsmittel kann man sich Networking heute gar nicht mehr vorstellen. Internet, Telefon und E-Mail sind weder aus dem Büroalltag noch aus dem Privatleben wegzudenken. Und auch Briefe sind in gewissen Situationen immer noch die beste Wahl und lassen sich nicht so schnell ersetzen.

Telefonische Kontaktaufnahme

Oft führt der Weg der Kontaktaufnahme über den telefonischen Weg. In der Fachsprache entspricht dieses Vorgehen der "Kaltakquisition". Ihr Gesprächspartner weiss bis zum Telefon noch nichts von Ihnen. Falls Sie dieses Vorgehen wählen, tun Sie es auf jeden Fall bestens vorbereitet. Sonst sollten Sie es lieber bleiben lassen!

Überlegen Sie vorher genau, wie Sie sich vorstellen wollen, was Sie sagen bzw. fragen, wie Sie argumentieren, falls das Gegenüber Sie mit der Standard-Antwort "Schicken Sie mir bitte Ihre Bewerbungsunterlagen" abfertigen möchte. Am Telefon gelten andere Regeln als im persönlichen Face-to-Face-Gespräch. Die Unterschiede machen sich darin bemerkbar, wie wir Gesagtes formulieren und durch den Inhalt selbst:

  • Stimme: Durch den Tonfall oder die Gesamtheit der Gefühle, Empfindungen, Einstellungen, Gedanken, Reaktionen, die unser Partner aus unserer Stimme heraushört oder herauszuhören glaubt.
  • Art und Weise: Durch die Formulierung, in die wir unsere Gedanken einkleiden (prägnanter Ausdruck, Veranschaulichung, Logik, Aufbau, Schlagfertigkeit, Überzeugungskraft).
  • Inhalt: Durch den Gesprächs- und Gedankeninhalt, durch Umfang und Zielrichtung der Botschaft, die wir vermitteln.

Grundregeln am Telefon

  • Stehen Sie auf, wenn Sie telefonieren! Das gibt Ihrer Stimme Kraft und vermittelt einen dynamischen Eindruck.
  • WIE Sie etwas am Telefon sagen, ist wesentlich wichtiger als WAS Sie sagen!
  • Sprechen Sie langsamer, als der Telefon-Partner denkt, denken Sie aber schneller, als er spricht. Bewusst langsam sprechen!
  • Verständlich sprechen: klar, konkret und deutlich!
  • Gebrauchen Sie nur kurze Sätze mit wichtigen Informationen, keine unnötigen Wiederholungen!
  • Ein Lächeln ist hörbar!
  • Herzlichkeit und Motivation spüren lassen (weicher und warmer Tonfall), nicht monoton sprechen!
  • Sprechen Sie motivierend bzw. mit positiven Wörtern!
  • Sprechen Sie den Gesprächspartner während des Telefonsgesprächs mehrmals mit Namen an!
  • Sprechen Sie partnerorientiert ("Sie"-Standpunkt)! Vom Partner und nicht von sich selbst reden!
  • Stellen Sie dem Gesprächspartner klärende und bestimmende Fragen!
  • Bedanken Sie sich und verabschieden Sie sich freundlich!
  • Bestätigen Sie Abmachungen und Entscheidungen schriftlich!

Hindernisse am Telefon

  • kein Blickkontakt
  • "Klima-schaffende Rituale" wie Hände schütteln, Blickkontakt usw. fallen weg
  • das Telefon kann stören und wird als Aggression verstanden
  • Gesprächspartner kann sich besser verneinen lassen
  • Gesprächspartner kann einfacher die Argumentskette abbrechen
  • Visualisierungen und Demonstrationen sind nicht möglich
  • Gesprächspartner kann Gespräch einfacher beenden
  • Zeit ist oft knapp
  • Unwissenheit, was der Gesprächspartner gerade tut
  • es fehlt die Verbindlichkeit

Häufige Fehler

  • zu schnell reden
  • zu lange Vorreden
  • zu lange Monologe
  • zu viele Entschuldigungen
  • nicht zuhören
  • die Hauptsache vergessen

Briefe

Ein Brief zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Worten hat Stil und überrascht den Empfänger. Es gibt sogar Situationen, in denen der Brief nicht ersetzbar ist. Das gilt etwa für Kondolenzschreiben.

Ein Dankes-Brief nach einem persönlichen Kontakt kann Wunder wirken. Sie können einen weiteren positiven Eindruck hinterlassen, wenn Sie nach einem Bewerbungsgespräch einen Dankes-Brief verfassen.

Vorausgesetzt Sie sind an diesem Kontakt nach wie vor oder sogar noch mehr interessiert, verfassen Sie noch am selben Tag oder am Tag nach dem Vorstellungsgespräch ein Brief (oder eine Email).

  • Bedanken Sie sich in diesem Brief nochmals für das Vorstellungsgespräch (keine Phrasen, sondern ehrlich gemeinte Worte!).
  • Schreiben Sie, dass Sie das Gespräch professionell - oder sogar beeindruckend - und angenehm empfunden haben (vorausgesetzt natürlich, dass es auch so war!).
  • Signalisieren Sie unverkennbar Ihr Interesse an dieser Stelle.
  • Erwähnen Sie ein oder zwei Punkte, die für Sie von besonderem Interesse sind.
  • Erwähnen Sie evtl. noch einen relevanten Punkt, falls dieser im Gespräch nicht gesagt wurde.
  • Schreiben Sie, falls Sie sogar noch interessierter an dieser Stelle sind als zuvor.
  • Halten Sie diesen Brief kurz und pointiert.

E-Mails

E-Mail sind wie Briefe gut als Vorbereitung für ein späteres Telefonat geeignet. Für den Aufbau von Netzwerken ist der persönliche Kontakt äusserst wichtig. Wenn die Beziehung schon etablierter ist, eignen sich E-Mails gut zum Austausch von kurzen Neuigkeiten oder zur Absprache von Terminen.

Grosse Bedeutung haben E-Mails bei internationalen Netzwerken. Da sind Telefonate aufgrund der Zeitverschiebung oft nicht ganz einfach zu organisieren und auch recht teuer.

Tipp:
Ist es Ihnen auch schon passiert, dass Sie beim Schreiben einer E-Mail unterbrochen wurden und dadurch die unfertige Nachricht abgesendet haben? Hier gibt es eine einfache Regel: Tragen Sie die Empfänder-Adresse immer als Letztes ein.

Welche Netzwerke gibt es?

Es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen. Nutzen Sie verschiedene Kanäle, Gelegenheiten oder Angebote, um Ihr Kontaktnetz zu vergrössern: Besuchen Sie Fachmessen, nehmen Sie an Business Lunches teil, zeigen Sie sich an Ehemaligentreffen usw. Nutzen Sie auf jeden Fall auch die Vielfalt des Internet und optimieren Ihr Verhalten auf sog. Social Networking Sites.

Klassiker

  • Armee
  • Zünfte
  • Parteien, politische Kommissionen
  • Studentenverbindungen
  • Alumni
 

Service-Clubs

  • Rotary, Kiwanis, Lions
  • Efficieny
  • Junge Wirtschaftskammer
 

Social Network Sites für den geschäftlichen Bereich

 

Social Network Sites für den privaten Bereich

 

Sportliche Netzwerke

  • Fussball- oder Segelclub, Turn- oder Schützenverein u.s.w

Plattformen

  • Podien und Anlässe
  • Publikums- und Fachmessen
  • Kongresse und Workshops
 

und natürlich ganz wichtig

  • Familie und Freunde
  • Nachbarn und Bekannte
  • Ehemalige Schul- und Arbeitskollegen
 

So nutzen Sie das Potenzial von Social Network Plattformen

Seit die Social Network Plattformen und insbesondere die Online Business Plattformen wie Xing und LinkedIn nicht nur bekannt, sondern richtig viel Mitglieder und einen beachtlichen Traffic verzeichnen, tun Sie gut daran, Ihr Profil zu optimieren. Dann kann es sein, dass Sie mehrmals pro Monat von Headhuntern oder sogar von Recruitern einer Firma elektronisch kontaktiert werden. Was bedeutet das, das eigene Profil zu optimieren? Was gilt es dabei zu beachten? Was sollte man tun, was sollte man tunlichst unterlassen?

Das eigene Profil auf Xing und/oder LinkedIn

  • Lernen Sie die Funktionen der Sozialen Plattform verstehen bevor Sie Ihr Profil (zufällig) freischalten.
  • Machen Sie sich v.a. Gedanken über Ihren Entscheid bezüglich Datenfreizügigkeit. Jeder der gängigen Plattform ermöglicht es Ihnen, alle oder nur ausgewählte Daten freizuschalten. Zudem können Sie Ihr Profil öffentlich oder nur einer eingeschränkten Zielgruppe offenlegen.
  • Erstellen Sie Ihr Profil richtig - oder dann publizieren Sie es lieber gar nicht! Ein halb angefangenes, unvollständiges oder einseitig ausgefülltes Profil wirft Fragen auf und hält Headhunter eher davon ab, Sie zu kontaktieren.
  • Wählen Sie die Begrifflichkeiten auch aus der Suchmaschinen-Optik. Je besser ausgewählt die Keywords sind, desto eher werden Sie von Headhuntern gefunden (und angesprochen).
  • Obwohl z.B. auf Xing der Status ein fast unscheinbares Datenfeld ist, hat es für Headhunter eine grosse Bedeutung. "Führungskräfte" oder "Angestellte" werden eher kontaktiert als Selbständige oder Teilzeitkräfte.
  • Empfehlungen von ehemaligen Chefs, Kunden oder Personalverantwortlichen haben eine beachtliche Wirkung. Nutzen Sie diese Form der Empfehlung auch auf den Sozialen Netzen.
  • Machen Sie in ausgewählten Fachforen oder -gruppen mit. Teilen Sie Ihr Fachwissen mit anderen und profilieren Sie sich als Experte. Headhunter sind manchmal sogar gezwungen, solche Kanäle zu durchforsten, um seltene Experten aufzuspüren.

Rolle der Social Software im Networking-Prozess

David Teten und Scott Allen haben versucht, die Rolle der Social Software im Networking-Prozess anhand von sieben Vorteilen für die einzelne Person darzustellen:

  1. Mit Social Software-Tools ist die Möglichkeit vorhanden, einem grösseren Publikum die eigenen Qualitäten darzustellen.
  2. Ein Zugang zur "kollektiven Kompetenz" ist gegeben. Damit wird die persönliche Kompetenz gesteigert.
  3. Die Kontaktaufnahme ist mit dem Einsatz von Social Software viel einfacher, da die Suchfunktionen effektivere Ergebnisse bringen können als eine herkömmliche "menschliche" Suchfunktion beim traditionellen Networking.
  4. Networking-Beziehungen können durch den Faktor "Vetrauen" gestärkt werden - auch dann, wenn sie weit entfernt sind, und primär nur durch technisch vermittelte Kommunikation aufrecht erhalten werden können. Die Autoren erwähnen hier vor allem die Social Network Sites, die die Visualisierung der Relationen ermöglichen und daher durch gegenseitige Empfehlungen eine weitere Dimension von Vertrauen ins Spiel bringen.
  5. Social Software ermöglicht dem Einzelnen, mehr über sein Netzwerk zu erfahren, als es ihm beim traditionellen Networking möglich wäre. Ohne den Wert des "Small Talks" schmälern zu wollen, gehen die Autoren davon aus, dass schneller tiefer gehende Konversationen möglich sind.
  6. Die Erhöhung der Kontakte ist wesentlich einfacher durch die Verwendung von Social Software. Damit ist auch der Effekt eingeschlossen, dass man relativ schnell zu vielen Netzwerken anderer Teilnehmer gehören kann.
  7. Bei herkömmlichen Networking-Situationen sind Menschen in Restriktionen eingebunden, alleine schon durch geografische und kulturelle Grenzen. Networking via Social Software bietet die Möglichkeit, unabhängig vom Aufenthaltsort des Einzelnen, Kontakte aus verschiedenen Kulturkreisen und verschiedenen Sprachen zu knüpfen und zu pflegen.

(Quelle: Teten, David / Allen, Scott (2005): The virtual handshake: opening doors and closing deals online. New York.)

Quelle: jobagent.ch